Funktionelle Medizin · Ihr Begleiter

Nährstoff-Guide

Was wann? Womit nicht? Wie viel?

16 Nährstoffe. Klare Regeln. Ein Tagesplan. Lebensmittelquellen. Alles, was Sie wissen müssen — nach den Prinzipien der funktionellen Medizin.

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Dr. med. Andreas Pullig Facharzt für Allgemeinmedizin & Urologie
Ganzheitliche & Funktionelle Medizin · Simmern
Dieser Guide dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle Dosierungen und Laborwerte sind Richtwerte — die persönliche Anpassung erfolgt gemeinsam mit Ihrem Arzt. Vollständiger Hinweis ↓
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Nährstoffe 01–05

Die Basis — Was jeder Körper braucht

Das Fundament der ganzheitlichen Supplementierung — für nahezu jeden sinnvoll.

Ihr Begleiter durch die Supplementierung: Selbst bei ausgewogener Ernährung entstehen Lücken, die Müdigkeit, Immunschwäche und stille Entzündungen verursachen können. Diese fünf Nährstoffe bilden das Fundament.
Einfach starten — sicher für die meisten, kein Test nötig
Test empfohlen — sinnvoll zu messen
Nur nach Test — Überdosierung möglich
⚠ Die Omega-6-Falle — warum Omega-3 allein oft nicht hilft

Das Problem: Omega-3 und Omega-6 konkurrieren um dasselbe Enzym (Delta-5/6-Desaturase). Bei zu viel Omega-6 verliert Omega-3 diesen Wettkampf. Unser westliches Verhältnis: ca. 15:1 — optimal wären 3–4:1. Wer Omega-3 supplementiert, sollte gleichzeitig Omega-6 drosseln.

⟶ Omega-6 drosseln

  • Sonnenblumenöl & -margarine
  • Distelöl, Maiskeimöl, Sojaöl
  • Fast Food & Fertigprodukte
  • Chips, industrielle Backwaren

⟶ Gute Fette bevorzugen

  • Algenöl, Wildlachs, Sardinen, Makrele
  • Lein-, Chia-, Hanfsamen
  • Olivenöl, Avocado, Walnüsse
  • Weidebutter, Ghee
Nährstoffe 06–09

Erweiterte Nährstoffe — bei Bedarf & nach Labor

Erst messen, dann supplementieren.

Diese Nährstoffe sind bei nachgewiesenem Mangel enorm wichtig — aber auch solche, bei denen Überdosierung Schaden anrichten kann. Hier gilt: erst messen, dann supplementieren.
Nährstoffe 10–13

Zellenergie, Detox & Energie

Mitochondriale Kraft, Entgiftung und der Stoffwechsel-Motor.

Q10 Ubiquinol ist ab 40 Jahren und bei Statineinnahme unverzichtbar. NAC ist der effektivste Weg, Glutathion aufzubauen — das wichtigste körpereigene Antioxidans.
Nährstoffe 14–16

Adaptogene & pflanzliche Wirkstoffe

Ashwagandha, Astaxanthin, Berberin.

Pflanzliche Wirkstoffe mit guter Datenlage — für Stressresistenz, Zellschutz und Stoffwechsel.
Kombinationsregeln

Goldene Kombinationsregeln

Welche Nährstoffe sich verstärken — und welche sich blockieren.

Niemals gleichzeitig

  • Eisen + Kaffee, Tee, Milch (2 Std. Abstand)
  • Eisen + Kalzium (blockiert Aufnahme)
  • Zink + Kupfer langfristig ohne Blutcheck
  • Selen + hohe Vit.-C-Dosis zeitgleich
  • Jod ohne Selen (Schilddrüsenschutz!)
  • D3 hochdosiert ohne K2

✓ Diese verstärken sich

  • Eisen + Vitamin C (Aufnahme ×2)
  • Vitamin D3 + K2 (immer gemeinsam)
  • Selen + Jod (Schutz & Funktion)
  • B12 + Folat (Methylierungszyklus)
  • Omega-3 + Vitamin D (Entzündung)
  • NAC + Q10 (Zellschutz)

⚠ Bei Medikamenten checken

  • Blutverdünner: Omega-3 hoch, Q10
  • Schilddrüsenhormone: Eisen 2 Std. Abstand!
  • Metformin: B12-Spiegel messen
  • Statine: Q10 Ubiquinol immer dazu
  • ACE-Hemmer/Nitrate: NAC besprechen

→ Fett- vs. wasserlöslich

  • MIT FETT: D3+K2, Omega-3, Q10, Astaxanthin
  • OHNE FETT: Vit. C, B12, NAC, Eisen
  • BEIDES: Magnesium, Zink, Selen
  • Fettlösliche NEMs: niemals nüchtern
  • Kleine Mahlzeit reicht als Fettträger
◷ Der Tagesplan

Ein möglicher Tagesplan

Die richtige Reihenfolge über den Tag — damit sich Nährstoffe ergänzen statt blockieren.

So lesen Sie diesen Plan: Hier sind alle 16 vorgestellten Supplemente eingeordnet — das heißt nicht, dass jeder alle nehmen soll. Streichen Sie einfach, was für Sie nicht in Frage kommt. Die übrigen bleiben an ihrem Platz und sind weiterhin sinnvoll angeordnet. Eisen wird alle 2 Tage eingenommen (Hepcidin-Mechanismus), Berberin 2× täglich zu den größten Mahlzeiten. Beginnen Sie schrittweise: erst die Basis etablieren, dann nach 2–3 Wochen erweitern.
Morgens
nüchtern
vor dem Frühstück
🔴 Eisen (alle 2 Tage!) + Vitamin C (nur bei Eisen!) NAC
Eisen + Vit. C zeitgleich — wirkt nur im Darmlumen. Wer kein Eisen nimmt: Vit. C flexibel zu einer anderen Mahlzeit. Kein Kaffee auf nüchternen Magen — er reizt die Magenschleimhaut, erhöht Cortisol und hemmt die Eisenaufnahme. Besser: ein Glas Wasser mit frischer Zitrone.
Morgens
zum Frühstück
mit Mahlzeit
Vitamin D3 + K2 B-Komplex + Biotin B12 + Folat Selen Jod
D3+K2 brauchen Fett. B-Vitamine morgens (energetisierend). Selen & Jod immer zusammen.
Zwischen
den Mahlzeiten
ca. 2 Std. nach Frühstück
Alpha-Liponsäure
Alpha-Liponsäure ist ein Chelatbildner — sie bindet Metalle wie Eisen und Zink und kann deren Aufnahme hemmen. Mindestens 2 Stunden Abstand zu Mineralien.
Mittags /
Hauptmahlzeit
fettreichste Mahlzeit
Omega-3 (EPA+DHA) Q10 Ubiquinol Astaxanthin Vitamin C (2. Dosis) Berberin
Fettlösliche Nährstoffe zur fettreichsten Mahlzeit. Berberin direkt zur Mahlzeit — senkt Blutzuckeranstieg.
Abends
zur Mahlzeit
zum Abendessen
Zink Berberin Ashwagandha
Zink mit Mahlzeit (nüchtern: Übelkeit). Ashwagandha abends für Cortisol-Senkung & Schlafvorbereitung.
Abends
vor dem Schlafen
1–2 Std. nach Zink
Magnesium (Glycinat)
Magnesium fördert Tiefschlaf. Abstand zu Zink halten.
🩸 Bluttest-Übersicht

Wann zum Bluttest?

Optimale Zielwerte — nicht nur „Normbereich".

Normbereich ≠ optimal. Laborreferenzwerte bilden den Durchschnitt einer häufig mangelhaft versorgten Bevölkerung ab. In der funktionellen Medizin zählen Optimalwerte — der Bereich, in dem der Körper wirklich gut funktioniert.
⚠ Vor Blutabnahmen pausieren Biotin (B7) mindestens 48 Stunden vorher absetzen — auch wenn es im B-Komplex enthalten ist. Viele Labortests (Schilddrüse, Hormone, Troponin, Tumormarker) nutzen Biotin-basierte Verfahren. Hohe Biotin-Dosen verfälschen diese Ergebnisse erheblich. Alle anderen Supplemente in diesem Guide müssen vor einer Standardblutabnahme nicht pausiert werden.
NährstoffAmpelWas & Wann testenOptimaler ZielwertHinweis
Vitamin D3🟡25-OH-Vit.D · vor Start & nach 3 Mo.60–80 ng/mlHäufig massiv untertherapiert
Omega-3🟢Omega-3-Index nach 3 Mo.> 8 %Test optional, aber aufschlussreich
Magnesium🟢Erythrozyten-Mg (nicht Serum!)2,0–2,4 mmol/lSerum-Mg fast wertlos
Vitamin C🟢Nicht nötigSymptomkontrolle
Zink🟡Zink Serum nach 8 Wochen14–18 µmol/lKupfer bei Langzeit-Zink prüfen
Eisen / Ferritin🔴Ferritin + Transf.sättigung + Hb + CRPFerritin: 80–150 ng/mlCRP immer mitbestimmen — Entzündung erhöht Ferritin künstlich
B12 (aktiv)🟡Holotranscobalamin + HCY + MCVHolo-TC > 50 · HCY < 9Serum-B12 unzuverlässig
Selen🔴Vollblut-Selen nach 3 Mo.120–150 µg/lToxisch ab 400 µg täglich!
Jod / Schilddrüse🔴TSH, fT3, fT4, Anti-TPO · Jod im VollblutTSH 0,5–2,0 · fT3 obenVor jeder Jod-Supplementierung
Q10, NAC🟢Nicht nötigKlinisch geleitetBei Statinen: Q10 immer
B-Komplex, Biotin🟢Nicht nötigSymptomkontrolleBiotin: vor Bluttest 48 Std. pausieren!
Alpha-Liponsäure🟢Blutzucker bei DiabetikernSymptomkontrolleNeuropathie: ärztlich begleiten
Ashwagandha🟢Bei Schilddrüsenerkr.: TSHKlinisch geleitetBei Schilddrüsenerkrankung: Kontrolle
Astaxanthin🟢Nicht nötigKlinisch geleitetSehr sicher, keine Toxizität bekannt
Berberin🟢Optional HbA1c als VerlaufHbA1c < 5,7 %Bei Diabetesmedikamenten: erst nach Absprache
Aus der Natur

Nährstoffe aus Lebensmitteln

Was die Natur bereithält — die besten natürlichen Quellen.

Ernährung kommt zuerst, Supplementierung ergänzt. Hier die wichtigsten natürlichen Quellen im Überblick.
⚠ Qualität bei tierischen Lebensmitteln Was das Tier belastet, landet auf dem Teller. Fleisch, Geflügel und Eier immer in Bio- und Weidequalität. Fisch möglichst Wildfang aus sauberen Gewässern — große Raubfische (Thunfisch, Schwertfisch) können Quecksilber anreichern. Innereien sind Reinigungs- und Filterorgane — sie speichern Schadstoffe. Wenn überhaupt: nur in absoluter Bio-Qualität und nicht regelmäßig.
01 · Vitamin D3
Wildlachs, Sardinen, Makrele, Hering · Eigelb (Freiland) · Pilze (Sonne!)
Pilze 30 Min. Sonne = deutlich mehr D3 — Lamellen nach oben. Fisch: auf Herkunft achten.
02 · Omega-3 (EPA/DHA)
Wildlachs, Sardinen, Makrele, Hering, Forelle · Leinsamen, Chiasamen (ALA) · Walnüsse · Algen
ALA wird nur zu 5–10 % in EPA/DHA umgewandelt. Quecksilber bei großen Raubfischen beachten.
03 · Magnesium
Kürbiskerne, Mandeln, Cashews · Dunkle Schokolade (≥85 %) · Spinat, Mangold · Hülsenfrüchte · Buchweizen
Phytate in Nüssen & Hülsenfrüchten hemmen Aufnahme — einweichen hilft.
04 · Vitamin C
Acerola, Hagebutte, Sanddorn · Paprika (rot > grün!) · Petersilie · Kiwi · Brokkoli, Grünkohl
Hitze zerstört Vit. C — roh oder kurz gedünstet.
05 · Zink
Rindfleisch, Lammfleisch (Bio/Weide!) · Kürbiskerne · Cashews · Hülsenfrüchte, Vollkorn · Austern (auf Herkunft achten)
Tierisches Zink besser verfügbar. Austern nicht täglich — sie filtern Wasser.
06 · Eisen
Rotes Fleisch (Bio/Weide!) · Linsen, Kichererbsen · Spinat (+ Vit. C!) · Kürbiskerne · Quinoa · Leber (selten, nur Bio)
Häm-Eisen (Fleisch) 2–3× besser aufnehmbar. Immer in Bio/Weide-Qualität.
07 · Vitamin B12
Sardinen, Makrele, Lachs (Wildfang!) · Meeresfrüchte · Eier (Bio/Freiland!) · Käse · Leber/Herz (selten, nur Bio)
Kaum pflanzlich verfügbar — Veganer MÜSSEN supplementieren.
08 · Selen
Paranuss (1–2 Nüsse = Tagesbedarf!) · Wildlachs, Thunfisch · Eier · Sonnenblumenkerne · Pilze
Paranuss: Selengehalt schwankt regional stark — nicht überdosieren.
09 · Jod
Meeresfrüchte, Fisch · Meeresalgen (stark schwankend!) · Jodiertes Salz · Milchprodukte · Eier
Algen: unkontrolliert hohes Jod möglich — nur maßvoll.
10–11 · Q10 & NAC
Q10: Leber, Herz, Sardinen, Erdnüsse, Brokkoli · NAC/Cystein: Geflügel, Eier, Knoblauch, Zwiebeln, Brokkoli
Über 40 J.: Eigenproduktion Q10 stark reduziert.
12–13 · B-Komplex & Biotin
Leber, Fleisch · Hülsenfrüchte, Vollkorn · Hefe, Pilze · Nüsse · Eigelb (Biotin!) · Avocado
Rohes Eiweiß blockiert Biotin — Eier immer gekocht.
14–15 · Alpha-Lipons. · Astaxanthin
Alpha-Liponsäure: Leber, Spinat, Brokkoli, Tomaten · Astaxanthin: Wildlachs, Forelle, Garnelen
Astaxanthin: Farbe von Lachs & Garnelen kommt direkt aus Algen.
Ein persönliches Wort

Dr. Pulligs Wort

Supplemente sind ein Werkzeug. Kein Fundament. Wer das Fundament vergisst, baut auf Sand — und wundert sich, warum er sich trotz allem nicht wirklich besser fühlt.
Supplementieren — ja. Aber warum klappt es oft nicht allein?

Die Idee hinter diesem Guide ist einfach und richtig: Wir haben spezifische Nährstofflücken, und die lassen sich gezielt schließen. Und es hilft. Ich sehe das täglich in der Praxis.

Aber ich sehe genauso täglich: Menschen, die jahrelang supplementieren — und sich dennoch nicht wirklich erholt fühlen. Die Präparate sind nicht schlecht. Supplemente allein können nur nicht reparieren, was darunter liegt.

Die funktionelle Medizin fragt nicht nur „Was fehlt?" — sie fragt: „Warum fehlt es? Und was verhindert, dass der Körper wieder ins Gleichgewicht findet?"
Der Darm — die Wurzel

Ich kann die hochwertigsten Nährstoffe verschreiben — wenn der Darm sie nicht aufnimmt, kommen sie nie an. Chronischer Stress, verarbeitete Lebensmittel, Antibiotika und Schlafmangel schädigen die Darmschleimhaut und das Mikrobiom. Die Folge: Nährstoffe werden schlechter aufgenommen, Entzündungsbotenstoffe gelangen ins Blut.

Was dem Darm gut tun kannFermentierte Lebensmittel, Ballaststoffe, Knochenbrühe, Pausen zwischen Mahlzeiten, L-Glutamin, Zink — und: Stress ehrlich reduzieren.
Was den Darm belastetZucker, Omega-6-Überschuss, Alkohol, dauerhafter NSAID-Gebrauch, Schlafmangel, Cortisol-Dauerstress, Hetze beim Essen.
Wichtig: Das gilt für einen grundsätzlich gesunden Darm. Bei bestehenden Beschwerden wie Reizdarm oder einer Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) können gerade fermentierte Lebensmittel und reichlich Ballaststoffe die Symptome zunächst verstärken. Hier ist ein behutsames, individuell begleitetes Vorgehen nötig — mehr dazu im Darm-Blog.
Stress, Nebennieren & der Teufelskreis

Chronischer Stress ist vielleicht der größte Nährstoffräuber, den wir kennen. Er verbraucht Magnesium, Vitamin C, B-Vitamine und Zink — und schädigt gleichzeitig den Darm, der diese Nährstoffe aufnehmen soll. Die Nebennieren geraten in Dauerüberlastung. Das Ergebnis: schlechter Schlaf, morgens erschöpft, nachmittags ein Einbruch, abends plötzlich hellwach.

Supplementieren kann die Nebennieren unterstützen. Aber wenn die Stressquelle fortbesteht, ist das wie Wasser in ein Fass ohne Boden zu füllen.
Schlaf, Leben & das, was kein Labor misst

Kein Supplement der Welt ersetzt einen guten Schlaf. Im Tiefschlaf repariert der Körper, was tagsüber beschädigt wurde — Zellen, Hormone, Immunsystem, Gehirn. Wer dauerhaft schlecht schläft, supplementiert gegen einen Strom, der stärker ist als jede Kapsel.

Und dann ist da noch etwas, das kein Labor messen kann: die Lebenssituation selbst. Menschen, die in Verhältnissen feststecken, die sie zermürben — in Jobs, Beziehungen, einem Alltag, der mehr „Müssen" ist als „Wollen". Der Körper weiß das. Er spricht darüber, durch Erschöpfung, Schlafstörungen, das diffuse Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Manchmal braucht es Supplemente genau dafür: um genug Kraft zurückzugewinnen, dass man wieder klar denken kann. Das ist der erste Schritt zurück zur eigenen Handlungsfähigkeit. Der Schritt danach gehört Ihnen.

Dr. med. Andreas Pullig
Facharzt für Allgemeinmedizin & Urologie · Ganzheitliche & Funktionelle Medizin · Simmern